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Lokalnachrichten - 19. April 2010

Bahn kürzt Mitte-Deutschland-Verbindung ::: Das Kulturkonzept setzt Fleisch an

Lokalnachrichten 19. April 2010
Lokalnachrichten 19. April 2010


Bahn kürzt Mitte-Deutschland-Verbindung

Die Deutsche Bahn möchte, laut dem Verkehrsclub Deutschland (VCD), weitere Streckenkürzungen in Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen vornehmen. Erfurt nimmt dabei als so genannter ICE-Knotenpunkt Thüringen eine besondere Rolle ein. ICE-Strecken ermöglichen die schnelle Reise in Richtung Frankfurt, Leipzig und Berlin. Mit einem Umstieg können auch München, Hamburg und Städte im Ruhrgebiet mit dem ICE erreicht werden. Die Kehrseite der Medaille sind Streckenkürzungen im Regionalverkehr und Taktungen von 2 anstatt bisher einer Stunde. Der InterCity in Richtung Kassel, beziehungsweise Halle würde so in naher Zukunft komplett gestrichen. Folge wäre eine Fahrzeitverdoppelung auf dieser Strecke, da dann nur eine Verbindung mit Regionalbahn, oder Regionalexpress möglich ist. Matthias Phlak von DIE LINKE, Vorsitzender des Ausschusses für Verkehr und Mitglied im Aufsichtsrat der Erfurter Bahn, kritisiert die Pläne der Deutschen Bahn:

„Ich persönlich halte diese Ausdünnung für Unsinnig, weil was einmal weg ist, lässt sich im Anschluss schwer wieder zurückholen und dass bedeutet natürlich für Bürgerinnen und Bürger von Erfurt und auch für die, die Erfurt als Knotenpunkt nutzen wollen, eine Eindeutige Verschlechterung der Situation.“

Die Deutsche Bahn argumentiert bei Streckenkürzungen mit zu wenig Auslastung. Die Kunden sind dagegen von mangelndem Service und schlechten Anbindungen enttäuscht. Was dabei zu erst da war, ist wie die Frage nach der Henne und dem Ei. Fakt ist, die Geschäftsführung der Deutsche Bahn reagiert bei Finanzierungsproblemen mit Abbau, statt Serviceverbesserung. Matthias Phlak vermutet einen weiteren Grund:

„Hier geht es, aus meiner Sicht, der Bahn einfach nur ums Geld. Da soll Druck ausgeübt werden. Da soll gesagt werden: Liebe Länder, wenn ihr das weiter haben wollt, dann bezahlt ihr bitte auch dafür.“

Denn für den IC-Verkehr muss, im Gegensatz zu den ICEs, das Land aufkommen. Das ist ein weiteres Problem. Die Stadt Erfurt hat keinen direkten Einfluss auf die Bahnpolitik. Deshalb fordert Matthias Phlak:

„So wie es der Herr Doht in Eisenach angekündigt hat, der gesagt hat er will jetzt direkt auf die Bahn zugehen und da entsprechend intervenieren, müsste man das auch vom Oberbürgermeister Bausewein erwarten, damit die Bahn einfach spürt, hier ist eine Betroffenheit da und hier gibt es Widerstand dagegen, dass diese Strecke ausgedünnt wird.“

Trotz allem appelliert Matthias Phlak von DIE LINKE auch an die Erfurterinnen und Erfurter, das Verkehrsmittel Bahn nicht aufzugeben. Der Individualverkehr mit dem Auto sei im Gegensatz zur Bahn weder ökonomisch, noch umweltfreundlich.
Auch der Verkehrsclub Deutschland möchte die Bahn wieder attraktiver machen. Er hat ein eigenes Fernverkehrskonzept für Mitteldeutschland erarbeitet. Es sieht vier ICE-Linien und fünf Intercity-Verbindungen durch Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen vor. Mehr zum VCD und dem Konzept gibt es unter vcd.org/elbe-saale.

(Dominic Eger)

Das Kulturkonzept setzt Fleisch an

Die Kultur einer Stadt wird als Grundlage des Zusammenlebens, als Kommunikationsmöglichkeit oder auch als ein Bindeglied der Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft angesehen. Um die Kultur in einer vielfältigen Stadt wie Erfurt genügend zu fördern und Zukunftsperspektiven zu schaffen, gab der Erfurter Stadtrat im Dezember 2008 den Startschuss zur Erarbeitung eines Kulturkonzepts. Langsam ging bisher die Arbeit in der damit beauftragten Arbeitsgruppe voran. Unterschiedliche Interessen der einzelnen Mitglieder machten es schwer sich zu einigen, wie Dr. Wolfgang Beese, Vorsitzender des Kulturausschusses und Mitglied in der AG Kulturkonzept berichtet. Weiterhin erläutert er, wie nun die bereits schriftlich ausgearbeiteten Leitbilder und Leitlinien behandelt werden:

„Jetzt geht es darum, dass mit den Dingen, die in der Stadt vorhanden sind beziehungsweise die nicht vorhanden sind abzugleichen und das Konzept sozusagen jetzt wirklich entstehen zu lassen. Das was jetzt entsteht stell ich mir so vor oder kann man sich so vorstellen, wie ein Skelett und jetzt muss sozusagen das Fleisch an das Skelett.“

Im Zuge der konkreten Umsetzung der erarbeiteten Leitlinien hofft Wolfgang Beese auf vermehrte Öffentlichkeitsbeteiligung. Im August 2009 nahmen rund 200 interessierte Bürger Erfurts an der Diskussionsrunde „World Café“, rund um das Kulturkonzept, teil. Laut Wolfgang Beese konnten dadurch viele Ansatzpunkte für die Erarbeitung der Leitlinien gefunden werden. Deshalb sei auch weiterhin eine Mitarbeit erwünscht, wie Wolfgang Beese erklärt:

„Was mir ganz, ganz wichtig ist, dass jeder, der irgendetwas auch zu dem gegenwärtigen Papier, also zu den Leitlinien, zum Leitbild. Das jeder der, der dazu was zu sagen hat, der Vorschläge hat, der Hinweise hat, das der sich auch zu melden. Wir haben ja dieses Forum Romanum, und das geht eigentlich relativ schnell, sich da anzumelden und da seine Kommentare oder Texte reinzustellen, das ist ja eine Diskussionsplattform.“

Zu bedauern sei jedoch der Mangel an Medieninteresse. Kaum eine Zeitung berichte über den Stand des Kulturkonzeptes. Deshalb gerate das Kulturkonzept bei vielen Erfurtern und Erfurterinnen in Vergessenheit. In den nächsten Wochen sollen die einzelnen Interessenvertreter, wie die freie Künstlerszene oder Vertreter der kulturellen Bildung eingeladen werden. Dann werde über die praktische Umsetzung des Konzepts gesprochen. Auch wenn inzwischen schon fast ein halbes Jahr debattiert wird ist die Fertigstellung des Kulturkonzepts noch nicht in sicht. Laut Wolfgang Beese sei jedoch ein gründlich durchdachtes Kulturkonzept wichtiger, als eine zielgerechte Fertigstellung:

„Doch oder da hatten wir vielleicht alle am Anfang falsche Vorstellungen, dass wir das relativ schnell hinbekommen. Das dauert eben. Und je mehr man die Öffentlichkeit einbezieht, desto länger dauert es. Und das ist, ich finde das ist aber was Gutes. Wir haben so lange kein Kulturkonzept gehabt, das ist jetzt nicht so wichtig, ob das im September kommt diesen Jahres oder erst zum Ende des Jahres oder Anfang nächsten Jahres. Das halt ich nicht für so bedeutend, der Zeitpunkt wann dass fertig gestellt wird. Nur das es fertig gestellt werden kann.“

Trotz Zeitverzögerung glaubt Wolfgang Beese zusammen mit der AG Kulturkonzept auf dem richtigen Weg zu einem passenden Kulturkonzept für Erfurt zu sein. Ein Kulturkonzept, dass einen Rahmen schaffen kann, indem sich die vielfältigen Kulturzweige in Erfurt uneingeschränkt entwickeln können. Weitere Informationen zum Kulturkonzept sind auf der Internetseite www.erfurt.de/kulturkonzept zu finden.

(Elisa Haase)



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