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Lokalnachrichten - 02. Juni 2010
Chaos auf ehemaligem Topf & Söhne Gelände ::: Angerbepflanzung wird erneut zum Politikum
Lokalnachrichten 02. Juni 2010
Lokalnachrichten 02. Juni 2010
Chaos auf ehemaligem Topf & Söhne Gelände
Die Firma Topf & Söhne wurde im Jahre 1878 in Erfurt gegründet. Sehr bekannt ist die Firma geworden, da sie mit der SS zusammengearbeitet hat und unter Anderem für Auschwitz große und leistungsfähige Krematoriumsöfen entwickelte. Zur Geschichte erzählt Timo von der Gruppe „Hände hoch- Haus her!“:
„Nach dem Ende des Nationalsozialismus wurde das eine Mälzerei, also in der DDR, wobei es auch so war, dass die Geschichte des Hauses nicht thematisiert wurde, auch in der DDR schon nicht. Dann nach der Wende wurde das ganze Ding kurze Zeit noch privatisiert, ist dann aber Pleite gegangen und wurde auch niemals thematisiert. Ende der 90er hat sich der Förderkreis Topf & Söhne gegründet- ein Verein, dessen Interesse es war, eben publik zu machen, dass in Erfurt auf diesem Gelände dort die Firma ansässig war, die die Krematorienöfen gebaut hat. Da gab’s großen Protest gegen, unter anderem auch vom damaligen Bürgermeister Ruge.“
Außerdem wurde das Haus ab April 2001 besetzt. Die Besetzerinnen und Besetzer des Hauses haben laut Timo früh angefangen, sich mit der Geschichte auseinanderzusetzen und außerdem auch Führungen über das Gelände und Ausstellungen angeboten. Im April letzten Jahres endete die Hausbesetzung mit einer polizeilichen Räumung. Auf dem ehemaligen Topf & Söhne Gelände wurden anschließend ein Renovierungsdiscounter und ein Möbelgeschäft eröffnet. Diese Tatsache halten Kritiker für unangemessen, wie eine Aktion am vergangenen Wochenende zeigte. Wege im Renovierungsdiscounter wurden mit Einkaufswagen versperrt, Preisschilder ausgetauscht, Teelichter angezündet. Die Aktivisten hinterließen Flyer, auf denen zu lesen war: „Vergessen lohnt sich“ und „ Heute einkaufen wo im Nationalsozialismus Krematorien für Konzentrationslager hergestellt wurden“. Die Verantwortlichen für das Chaos in den Geschäften am vergangenen Wochenende wurden noch nicht gefunden. Nach Angaben der Kampagne „Hände hoch - Haus her“ hat die Polizei bereits ihnen bekannte Personen in der Innenstadt kontrolliert. Auch Timo von der Kampagne kann nur vermuten, dass es sich dabei um Sympathisanten handeln könnte. Auf dem ehemaligen Topf & Söhne Gelände soll bis 2011 eine Gedenkstätte errichtet werden. Mit Führungen und Hinweistafeln soll auf die Geschichte des Geländes aufmerksam gemacht werden. Trotzdem hinterließen die Aktivisten Flyer auf denen darauf hingedeutet wurde, dass die ehemaligen Ofenbauer von Auschwitz in Vergessenheit geraten würden.
(Tina Reschke)
Angerbepflanzung wird erneut zum Politikum
Bald ist es so weit, auch der westliche Anger soll neu gestaltet werden. Seit dem letzten Jahr laufen die Vorplanungen dazu. Dieses Mal richtet sich die Aufmerksamkeit besonders auf die Bepflanzung. Denn bei der Neugestaltung des östlichen Angers wurden Bäume gänzlich vergessen. Erst nach heftiger Kritik aus der Bevölkerung hatte die Stadt Erfurt mit viel Aufwand noch vier Bäume vor die Hauptpost pflanzen lassen. Diesen Widrigkeiten sollte nun mit breiter Bürgerbeteiligung vorgebeugt werden. Die öffentliche Bürgerversammlung fand am 18. Januar mit 80 – 90 Interessierten statt. Es gab viele Vorschläge und Anregungen zur Planung. Ungeklärt blieb aber nach wie vor, ob die Baumbepflanzung in Richtung alter Angerbrunnen einreihig oder zweireihig werden soll. Diese Frage sollte eigentlich der Stadtrat am 5. Mai klären. Doch bei den Freien Wählern regte sich Widerstand gegen diese Vorgehensweise, Peter Stampf erklärt:
„Ich kann dem nicht so folgen, da eigentlich nur 15 Bürger gebrauch gemacht haben von ihrem Einspruchs-, oder Mitwirkungsrecht und davon sind ca. 50% haben sich nur mit dem Grün beschäftigt.“
Deshalb forderten die Freien Wähler eine zweite öffentliche Bürgerbeteiligung zur Klärung der Baum-Frage. Urs Warweg aus der SPD-Fraktion sieht diesem vorgehen jedoch kritisch entgegen:
„Der unterschied zum ersten Bauabschnitt ‚Anger’ ist der, dass die Verwaltung, und das haben in allen Ausschüssen alle Mitglieder lobend erwähnt, von Anfang an ein offenes, transparentes Verfahren durchgeführt hat. Es war wirklich so, dass man nicht sagen konnte, die eine, oder die andere Variante ist die Vorzugsvariante der Bevölkerung. Es war auch nicht so, dass die eine oder andere Variante die Vorzugsvariante der Stadträte ist. Ich bin aber dafür, nachdem wir nun wirklich ein offenes und transparentes Verfahren über [ein] knappes halbes Jahr geführt haben, das wir heute zu einer Entscheidungsfindung kommen.“
Mit einer Mehrheit von einer Stimme wurde schlussendlich dem erneuten Bürgerbeteiligungsverfahren zugestimmt. Im nächsten Amtsblatt wird es daher eine Bürgerbefragung zu den verschiedenen Varianten geben. Bei der zweireihigen Variante würden voraussichtlich 38 Bäume gepflanzt, bei der einreihigen 17. Diese Zahlen sind aber auch von der Größe und Art der Bäume abhängig, vielleicht wird es zu dieser Frage dann die nächste Bürgerbeteiligung geben.
(Dominic Eger)
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Lokalnachrichtenredaktion
02.06.
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