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LP der Woche | KW 38/2012 | The Presets – „Pacifica“

Hamilton gewinnt den großen Preis von Australien. Nein, nicht der englische Rennfahrer, sondern der Musiker und Sänger Julian Hamilton. Und gemeint ist auch kein Rennen, sondern der ARIA Music Award, den er zusammen mit seinen Teamkollegen Kim Moyes 2008 gewann. Zusammen bilden sie das Team The Presets – und das seit 2003. Von da an haben die zwei Sydneysider an synthiepopmäßig-düster klingenden Elektrosounds gewerkelt. Heraus gekommen sind mit Pacifica nun insgesamt drei Studioalben.


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Pacifica ist im Gegensatz zu den zwei Vorgänger-Platten „Beams“ (2005) und „Apocalypso“ (2008) noch ein wenig dunkler ausgefallen. Ihre Musik veröffentlichen die beiden Jungs auf dem australischen Label Modular, das u. a. auch auf Bands wie Chromeo, Cut Copy, The Rapture, Wolfmother oder den Yeah Yeah Yeahs stolz sein darf. Dass der ein oder andere Track ihres jüngsten Albums trotz des düsteren Sounds ungewohnt poppig wirkt, kommt für Hamilton und Moyes überraschend:

„Es ist lustig. Wir haben gedacht ‚oh man, was ist das denn für ein merkwürdiger Song geworden, die Leute werden das bestimmt seltsam finden’. Aber dann bekommen wir so was zu hören wie ‚wow, der Song ist wahrscheinlich das poppigste was ihr jemals gemacht habt!’“, wie Julian Hamilton gegenüber dem australischen Radiosender Radarmusic meint.

Die Presets zaubern aber auch ein paar technoide Ausflüge hin mit „Youth in Trouble“ oder das leicht ravey anklingende „Fast Seconds“.
Neben treibenden Beats erforschen sie auch gern ruhigeres Gefilde. Das ist an sich nichts Neues bei den Presets. „It’s Cool“ ist dennoch ruhiger als beispielsweise „Girl and the Sea“ aus ihrem Debutalbum oder „This Boy’s in Love“ aus Apocalypso.

„Es ist im Grunde ein Song über das Leben als Vater, der sich um sein Kind kümmert. Es geht um die Hoffnungen und die Träume, die man als Vater für sein Kind pflegt. Und das ist an sich ein liebevolles Thema, das wir niemals als eine ‚Monster-Smashing-Party-Hymne’ produzieren könnten. Das würde nicht passen.“

Aber auch kritisches haben Hamilton und Moyes auf Lager. Mit „A.O.“, kurz für „Adults Only“, zählt Julian Hamilton wie ein australischer Ocker klingend die Missstände auf, die ihre Heimat Sydney ebenso beherbergt wie tolle Strände und Urlauber.



The Presets - Ghosts from Abteen Bagheri on Vimeo.




Musikalisch sind Hamilton und Moyes bereits seit 1995 auf gemeinsamen Wegen unterwegs. Angefangen mit einem Studium der klassischen Musik, weitergemacht als Band Prop zusammen mit zwei weiteren Freunden. Später koppelten sich Moyes und Hamilton von der sich dem 80er Jahre Synthpop verschriebenen Band ab. Sie wollten sich nicht auf eine Musikrichtung beschränken – ihre Ideen reichten auch in etwas härtere elektronische Musik. In Australien sind sie als The Presets seither sehr erfolgreich unterwegs und durften 2007 sogar die zwei französischen Musikproduzenten von Daft Punk auf ihrer NeverEverLand-Tour supporten. Zu weiterer Bekanntheit haben den Presets auch ihre Remixe geholfen, die sie u. a. für Songs von Lenny Kravitz oder Kings of Leon gebastelt haben. Ihre Beliebtheit Down Under stellen neben ihren Auszeichnungen bei den australischen ARIA Music Awards 2008 und 2009 ein APRA Award unter Beweis.

Ob Hamilton und Moyes mit Pacifica an die Erfolge des Vorgängers anknüpfen können, wird sich wohl noch zeigen. Überraschend poppig klingt das neue Album beim ersten Mal reinhören schon etwas - andererseits auch wesentlich erwachsener und dennoch gewohnt melancholisch wie die Vorgängerplatten. Das macht sich besonders in der zweiten Hälfte des Albums bemerkbar. Insgesamt ist es ein Album, das man sich gern mehrmals durchhören kann und dabei nicht langweilig wird – im Gegenteil.




Tracklist

Youth in Trouble
Ghosts
Promises
Push
Fall
It's Cool
A.O.
Surrender
Fast Seconds
Fail Epic



Pacifica erschien am 7. September 2012 auf dem australischen Label Modular.

Mehr Informationen zu The Presets auf thepresets.com


17.09.2012

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