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"Hand in Hand" - Berufliche Perspektiven für Geflüchtete im Handwerk

Anlässlich des Arbeitgebertages am 6. April können Geflüchtete verschiedene handwerkliche Berufe näher kennen lernen. Zusammen mit der Erfurter Agentur für Arbeit, veranstaltete die Erfurter Handwerkskammer am 6. April die Veranstaltung „Hand in Hand“. In den Räumen der Erfurter Agentur für Arbeit können Geflüchtete verschiedene Berufe und Firmen kennen lernen und sich auch selber ausprobieren.


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Im Januar vermerkte die Bundesagentur für Arbeit noch den Trend, dass Schutzsuchende in Deutschland möglichst schnell Geld verdienen wollen, meist für die eigenen Selbstständigkeit.
Diesem Trend will die Erfurter Agentur für Arbeit am kommenden Dienstag entgegen wirken.
Geflüchteten sollen die Vorzüge einer richtigen Berufsausbildung gezeigt werden. Die thüringer Handwerksberufe suchen Nachwuchs und verteilen Ausbildungsstellen an Interessierte.
Auch Praktika und Schnuppertage können zusammen mit den Firmen vereinbart werden.

Natürlich gibt es unter den Arbeit- und Ausbildungssuchenden auch Quereinsteiger, die schon eine berufliche Ausbildung im Heimatland vor der Flucht absolviert haben. Wie mit damit umgegangen wird erklärt Thomas Malcherek, Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer Erfurt:
„Es gibt seit längerer Zeit die Möglichkeit der Anerkennung. Zwar seit dem 1. April 2012 gibt es ein Gesetz zur Verbesserung der Feststellung im Ausland erworbener Berufsqualifikationen. Das kann man sich in etwa so vorstellen:
Wenn jemand kommt und sagt; ich habe den und den Beruf ausgeübt und hat entsprechend Zeugnisse, um es mal so zu formulieren, werden diese geprüft. Sind sie anerkannt, wird die Berufsqualifikation auch anerkannt.
Er bekommt dann ein Zertifikat, beispielsweise, dass er ein Arzt ist (mal etwas sachfremdes, aus dem Handwerk heraus). Etwas schwieriger ist es in unserem Bereich, in der gewerblichen Wirtschaft, weil man dort das Berufsprinzip wie wir es kennen, nicht unbedingt kennt. Dann gibt es einen zweiten Weg: Jemand muss aufzeigen, dass er die Fertigkeiten in einem Beruf hat, bzw. schön längere Zeit in einem Beruf gearbeitet hat. Dann kann er eine Prüfung machen und wenn er die Prüfung besteht, einen Test wenn Sie so wollen, dann bekommt er auch die Anerkennung, dass er in diesem Beruf arbeiten kann.
Also Zeugnisse zeigen, Arbeitsnachweis zeigen, die werden geprüft oder entsprechende Fähig- und Fertigkeiten nachweisen, anhand eines Tests. Dann kann die Berufsqualifikation anerkannt werden und man kann anfangen zu arbeiten.“

Auch angefangene Ausbildungen im Heimatland, die durch die rasche Flucht schlagartig beendet werden mussten, werden in Deutschland anerkannt. Thomas Malcherek über berufliche Teilqualifikationen von Geflüchteten:
„Als Kammer bieten wir auch Beratungen an, wenn wir feststellen, ich mache es mal ein bisschen visuell; Einer muss 100% Fertigkeiten haben, um den Beruf auszuüben und er hat nur 70 oder 80%, dann wird eben genau das festgestellt. Dann wird gesagt, wo er ein Problem hat, wo ein Leck, ein Defizit besteht. Und dann kann anhand von Kursen und Seminaren aufgefrischt werden. Dann wird ein Test gemacht und wenn er den besteht, hat er die vollständige Berufsqualifikation.
Also wir erkennen auch Teilqualifikationen an. Aber mit dem A-vis, den Rest muss man noch erlernen.“

Aber auch für junge Geflüchtete, die noch keinerlei Ausbildung im Heimatland genossen haben, bietet der 6. April als Orientierungstag sehr gute Chancen. Dabei erstreckt sich das Feld der teilnehmenden Firmen vom Bäcker bis hin zum Kfz-Mechaniker. Von 13 bis 16 Uhr können sich Geflüchtete über Traumausbildung und Beruf informieren und sich selber ausprobieren. Die Veranstaltung „Hand in Hand“ findet in den Räumen der Erfurter Agentur für Arbeit am 6. April statt.

Paula Gorka
30.03.2016

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