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TURINGIO INTERNACIA 78

In unserem Esperantomagazin lernen wir den Russen Varankin und seinen Roman "Metropoliteno" kennen, begeben uns nochmals in die faszinierende Welt der Wettervorhersagekunst und stellen aus esperantistischer Perspektive Überlegungen zu Sprachreisen in Europa an.

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78. Sendung TURINGIO INTERNACIA, vom 6. Mai 2018: Vladimir Varankin und sein Roman "Metropoliteno" (mit Auszug auf Esperanto und Deutsch) | Dietmar Lange: "Wettervorhersage und Meteorologie" (Teil 2) | Sprachreisen in Europa aus esperantistischer Sicht


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(Auszug aus dem roman "metropoliteno" von vladimir varankin, 1933)
Obgleich popov die mitteilung über eine parteiversammlung an alle gesandt hatte, war die hälfte der parteizellenmitglieder schon weggegangen. Popov betätigte die glocke. "Ich erkläre die generalversammlung für eröffnet. Zuerst geht es um die internationale lage. Genosse vinokutov wird darüber berichten. Dann geht es um die frage, wie wir auf das parteischädigende verhalten des genossen ivagin reagieren sollen. Vinokurov ging zum tisch, legte einige weiße blätter auf den rand des tisches und sagte: "Meine rede wird kurz sein, doch weise ich darauf hin, daß ich mindestens eineinhalb stunden benötige." "Gebt ihm eine stunde!", schrie jemand aus den hinteren reihen. "Gut, wir stimmen ab. Wer ist für eine stunde?" Es stellte sich heraus, daß alle einmütig für eine stunde waren. Verärgert sagte popov zu vinokurov: "Die sind verrückt. Versuch eben, alles irgendwie in eine stunde zu verpacken." Vinokurov sprach ohne absetzen, geschliffen, laut - und viel, viel zu schnell. Zu beginn versuchte das publikum seine worte mitzubekommen, spitze die ohren, reckte die hälse. Dann wurde es müde, verstand nichts mehr und verweigerte schließlich jegliches zuhören. Nachdem er beendet hatte, fanden sich weder fragesteller und diskutanten. Die resolution wurde blitzschnell von popov vorgelesen, unleserliches genuschelt vorgetragen. Man kam zur zweiten frage. Im raum herrschte plötzlich grabesstille. Schipova stand in aller ruhe von ihrem platz auf. "Wir sprechen jetzt, genossen, über das parteimitglied ivagin. Alle kennen wir ihn gut, den genossen ivagin. Gegen ihn als menschen kann man auch nichts schlechtes sagen. Schon lange arbeitet er hier und eigentlich tadellos. Und doch passierte ein unglück, denn genosse ivagin kann einige aus unserer führerschaft nicht leiden. In allen seinen aktivitäten gegen die parteizellenführerschaft und den apparat ist das am meisten verachtenswerte motiv sein egoismus. Denn wie sonst kann man sich erklären, daß er systematisch fehler in der arbeit unserer genossen sucht und sie in schlechten artikeln aufbauscht? Am anfang schrieb er das für unsere wandzeitung nieder, wobei ihm nichtparteimitglied zorin als redakteur half. Jetzt aber wendet er sich direkt an die moskauer arbeiterpresse! So etwas, genossen, machen doch nur trotzkisten! Ja, ich nehme die volle verantwortung auf mich für das, was ich nun sage: nur parteifeinde können so etwas tun! Es geht keineswegs um einen kampf gegen fehler, es geht um einen kampf gegen die parteiorganisation!" In den hinteren reihen erhob sich lärm, aus anderen reihen war aber applaus zu hören. Denen konterten aufgebrachte arbeiter: "Lüge! Ivagin ist doch kein trotzkist!" "Unseren kameraden, den kennen wir zu gut!" Serebrovski griff wieder zur glocke. "Genossen, man kann nie garantieren, daß selbst der eigene nachbar kein trotzkist ist. Die arbeiten ohne unterlaß mitten unter uns!" Zoja fuhr fort: "Paßt auf und erkennet, genossen! Unter euch herrschte ja bereits ein friedvolles arrangement mit solchen trotzkistischen auswüchsen. Niemand anders als trotzki selbst beschuldigte uns des renegatentums und der fäulnis. Spielt nicht auch ivagin darauf an? Aber ihr, ihr verteidigt ihn noch! Der parteizellenvorstand hat darüber schon diskutiert und ivagins parteiausschluß beschlossen." Popov fragte, ob jemand dazu etwas sagen wolle, wobei er die zuhörer aufmerksamst beobachtete. Die aber schwiegen. "Darum geht es, genossen, daß wir es mit einem äußerst unnützen element zu tun haben. Wir haben es mit einem destruktiven agitator zu tun! Ein solcher ist niemals zufrieden. Selbst den sozialismus mag er nicht. Ein solcher aktivist schmiedet ränke gegen ehrenwerte arbeiter, die sich ganz und gar aufopfern. Jetzt ist ein solcher agitator, der angeblich mißstände aufklären sollte, nichts anderes als ein antisowjetisches element geworden!" "Ich bitte ums wort", sagte Nikolajev. "Aber kurz, bitte!" "Ich bin gegen den parteiausschluß von ivagin. Ich erkenne keine gründe, ihn des trotzkismus oder eines irgendwie schädigenden verhaltens anzuklagen. Er ist ja ganz offiziell betriebskorrespondent und muß schon deswegen mißstände aufdecken. Wir haben kein recht, eine jagd auf ihn zu veranstalten." [Übersetzung: Bernhard Schwaiger]




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Esperanto-Redaktion
07.05.

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