Aktuell

Das Programm von heute
07:00 Kaffeesatz
wald.licht.
09:00 V.I.P.
Vormittag im Programm
11:00 Osmose
Sendungen Freier Radios
12:00 Soundtrack
Filmmusik
13:00 Offene Sendefläche
nach § 34 ThürLMG
15:00 Lama
Lateinamerikamagazin Dez. 2019 Brasil, Chile
17:00 Mixtape
mit Reinhard und Alexander
19:00 Fledermausgeschichten
Geschichten für Kinder
19:15 Nowosti
Infomagazin
20:00 Südnordfunk
Aus Print mach mehr - iz3w on air
21:00 Milestones
Prog, Psych & Jazz-Rock der 60er und 70er
23:00 Good Vibration Reggae Station
Reggae, Dancehall und Soca

Erfordia Latina (September 2019)

In unserem Lateinmagazin lernen wir Wörter, um die interessanten Berufe eines Organisten, Kantors und Mesners beschreiben zu können. Dazu passend am Ende noch ein schönes "Salve Regina" in einer eher unbekannten Melodie.

_______________________
200. Sendung ERFORDIA LATINA, vom 18. September 2019: Der Organist, der Kantor, der Mesner und ihr Tagwerk


> Download

ORGANISTA --- Studium singulare musices, quo Germani tenentur, conficiendis instrumentis musicis eos maxime ideoneos reddidit. Ii ipse quoque organum pneumaticum, instrumentum musicum, quo perfectius et mirabilius non novimus, primi fabricati sunt. Soni eius excelsi et graves cantui sacro egregie congruunt et, tonitru fragorum imitatum, ad lenissimam descendit harmoniam. Sane quam plurima instrumenta pneumatica, formam cicutarum seu fistularum e stanno, plumbo et ligno factarum referentia inter se iunguntur, quae manus aut pes organistae pro lubitu ciet, follibus ventum eis immitentibus. Canon ad manus, canon pedalis, cicutae, folles, arca et pinnae partes sunt organi. Novimus etia organa pneumatica portatilia, in quibus vir e plebe apparatus simplicissimi ope cantica, quae maxime placent, audienda nobis praebet. Sunt quoque horologia cum momento pendulo organi pneumatici instar constructa.
---- CANTOR ET AEDITUUS ---- Cantores instituti sunt, ut hymnos eorumque strophas coetui praecinant et iuventutem musica expoliant, cui primum discendum est, quid sit nota alba integra vel caudata, nigra caudata, adunca vel adunca duplex. Cantor eligit pueros et adolescentes, qui ingenio ad musicam egregie composito et singulari vocis modulatione gaudent, eosque acutam vocem, alterum ab acuto sonum, sonum subgravem et gravem cantare docet. In concentu numeros moderatur et illi laudantur, qui ad modos numerosque vocem accomodant, eam bene tenent, prout necesse est, clariores aut leniores sonos edunt. Cantores et cantatrices aut arias, qua vocant, proferunt, aut duarum vel trium vocum cantus aut choros quatuor vocibus descriptos. Aedituum, cui claves templi concreduntur, aedem sacram constituto tempore aperire et claudere oportet. Est illius ad preces matutinas et contionem, ad horarium pensum et vesperas dato campanae signo vocare, defunctos etiam in pompa funebri campanarum sonitu prosequi. Ille curat candelas et vasa sacra altari imponendas et in egenorum usum nummos colligit pera tinnula. Festo publicae gratulationis numerosis canunt campanis. Toti civitati terror incutitur, si campanae pulsantur quo indicetur flammam alicubi erupisse. [Aus: J.E. Gailer, Neuer Orbis pictus für die Jugend, Reutlingen 1835] ----- Salve Regina mater misericordiae, vita, dulcedo et spes nostra salve. Ad te clamamus, exsules filii Evae. Ad te suspiramus gementes et flentes in hac lacrimarum valle. Eia ergo, advocata nostra, illos tuos misericordes oculos ad nos converte et Iesum benedictum fructum ventris tui nobis post hoc exsilium ostende. O clemens, o pia, o dulcis virgo Maria.
_______________________
199. Sendung ERFORDIA LATINA, vom 4. September 2019: Die Blaue Blume (Romanauszug von "Heinrich von Ofterdingen" (Novalis)


> Download

NOVALIS "Heinrich von Ofterdingen" - Kapitel 3/Erster Teil ---- Die Eltern lagen schon und schliefen, die Wanduhr schlug ihren einförmigen Takt, vor den klappernden Fenstern sauste der Wind; abwechselnd wurde die Stube hell von dem Schimmer des Mondes. Der Jüngling lag unruhig auf seinem Lager, und gedachte des Fremden und seiner Erzählungen. »Nicht die Schätze sind es, die ein so unaussprechliches Verlangen in mir geweckt haben«, sagte er zu sich selbst; »fern ab liegt mir alle Habsucht: aber die blaue Blume sehn' ich mich zu erblicken. Sie liegt mir unaufhörlich im Sinn, und ich kann nichts anderes dichten und denken. So ist mir noch nie zumute gewesen: es ist, als hätt ich vorhin geträumt, oder ich wäre in eine andere Welt hinübergeschlummert; denn in der Welt, in der ich sonst lebte, wer hätte da sich um Blumen bekümmert, und gar von einer so seltsamen Leidenschaft für eine Blume hab' ich damals nie gehört. Wo eigentlich nur der Fremde herkam? Keiner von uns hat je einen ähnlichen Menschen gesehn; doch weiß ich nicht, warum nur ich von seinen Reden so ergriffen worden bin; die andern haben ja das nämliche gehört, und keinem ist so etwas begegnet. Daß ich auch nicht einmal von meinem wunderlichen Zustande reden kann! Es ist mir oft so entzückend wohl, und nur dann, wenn ich die Blume nicht recht gegenwärtig habe, befällt mich so ein tiefes, inniges Treiben: das kann und wird keiner verstehn. Ich glaubte, ich wäre wahnsinnig, wenn ich nicht so klar und hell sähe und dächte, mir ist seitdem alles viel bekannter. Ich hörte einst von alten Zeiten reden; wie da die Tiere und Bäume und Felsen mit den Menschen gesprochen hätten. Mir ist gerade so, als wollten sie allaugenblicklich anfangen, und als könnte ich es ihnen ansehen, was sie mir sagen wollten. Es muß noch viel Worte geben, die ich nicht weiß: wußte ich mehr, so könnte ich viel besser alles begreifen. Sonst tanzte ich gern; jetzt denke ich lieber nach der Musik.« Der Jüngling verlor sich allmählich in süßen Phantasien und entschlummerte. Da träumte ihm erst von unabsehlichen Fernen, und wilden, unbekannten Gegenden. Er wanderte über Meere mit unbegreiflicher Leichtigkeit; wunderliche Tiere sah er; er lebte mit mannigfaltigen Menschen, bald im Kriege, in wildem Getümmel, in stillen Hütten. Er geriet in Gefangenschaft und die schmählichste Not. Alle Empfindungen stiegen bis zu einer niegekannten Höhe in ihm. Er durchlebte ein unendlich buntes Leben; starb und kam wieder, liebte bis zur höchsten Leidenschaft, und war dann wieder auf ewig von seiner Geliebten getrennt. Endlich gegen Morgen, wie draußen die Dämmerung anbrach, wurde es stiller in seiner Seele, klarer und bleibender wurden die Bilder. Es kam ihm vor, als ginge er in einem dunkeln Walde allein. Nur selten schimmerte der Tag durch das grüne Netz. Bald kam er vor eine Felsenschlucht, die bergan stieg. Er mußte über bemooste Steine klettern, die ein ehemaliger Strom herunter gerissen hatte. Je höher er kam, desto lichter wurde der Wald. Endlich gelangte er zu einer kleinen Wiese, die am Hange des Berges lag. Hinter der Wiese erhob sich eine hohe Klippe, an deren Fuß er eine Öffnung erblickte, die der Anfang eines in den Felsen gehauenen Ganges zu sein schien. Der Gang führte ihn gemächlich eine Zeitlang eben fort, bis zu einer großen Weitung, aus der ihm schon von fern ein helles Licht entgegen glänzte. Wie er hineintrat, ward er einen mächtigen Strahl gewahr, der wie aus einem Springquell bis an die Decke des Gewölbes stieg, und oben in unzählige Funken zerstäubte, die sich unten in einem großen Becken sammelten; der Strahl glänzte wie entzündetes Gold; nicht das mindeste Geräusch war zu hören, eine heilige Stille umgab das herrliche Schauspiel. Er näherte sich dem Becken, das mit unendlichen Farben wogte und zitterte. Die Wände der Höhle waren mit dieser Flüssigkeit überzogen, die nicht heiß, sondern kühl war, und an den Wänden nur ein mattes, bläuliches Licht von sich warf. Er tauchte seine Hand in das Becken und benetzte seine Lippen. Es war, als durchdränge ihn ein geistiger Hauch, und er fühlte sich innigst gestärkt und erfrischt. Ein unwiderstehliches Verlangen ergriff ihn sich zu baden, er entkleidete sich und stieg in das Becken. Es dünkte ihn, als umflösse ihn eine Wolke des Abendrots; eine himmlische Empfindung überströmte sein Inneres; mit inniger Wollust strebten unzählbare Gedanken in ihm sich zu vermischen; neue, niegesehene Bilder entstanden, die auch ineinanderflossen und zu sichtbaren Wesen um ihn wurden, und jede Welle des lieblichen Elements schmiegte sich wie ein zarter Busen an ihn. Die Flut schien eine Auflösung reizender Mädchen, die an dem Jünglinge sich augenblicklich verkörperten. Berauscht von Entzücken und doch jedes Eindrucks bewußt, schwamm er gemach dem leuchtenden Strome nach, der aus dem Becken in den Felsen hineinfloß. Eine Art von süßem Schlummer befiel ihn, in welchem er unbeschreibliche Begebenheiten träumte, und woraus ihn eine andere Erleuchtung weckte. Er fand sich auf einem weichen Rasen am Rande einer Quelle, die in die Luft hinausquoll und sich darin zu verzehren schien. Dunkelblaue Felsen mit bunten Adern erhoben sich in einiger Entfernung; das Tageslicht, das ihn umgab, war heller und milder als das gewöhnliche, der Himmel war schwarzblau und völlig rein. Was ihn aber mit voller Macht anzog, war eine hohe lichtblaue Blume, die zunächst an der Quelle stand, und ihn mit ihren breiten, glänzenden Blättern berührte. Rund um sie her standen unzählige Blumen von allen Farben, und der köstliche Geruch erfüllte die Luft. Er sah nichts als die blaue Blume, und betrachtete sie lange mit unnennbarer Zärtlichkeit. Endlich wollte er sich ihr nähern, als sie auf einmal sich zu bewegen und zu verändern anfing; die Blätter wurden glänzender und schmiegten sich an den wachsenden Stengel, die Blume neigte sich nach ihm zu, und die Blütenblätter zeigten einen blauen ausgebreiteten Kragen, in welchem ein zartes Gesicht schwebte. Sein süßes Staunen wuchs mit der sonderbaren Verwandlung, als ihn plötzlich die Stimme seiner Mutter weckte, und er sich in der elterlichen Stube fand, die schon die Morgensonne vergoldete. Er war zu entzückt, um unwillig über diese Störung zu sein; vielmehr bot er seiner Mutter freundlich guten Morgen und erwiderte ihre herzliche Umarmung. -------- (Henrico de Ofterdingen apparet in somnio flos caeruleus, notio transfigurationis poeticae quaedam.) --- Parentibus dormientibus horologium in aequabilite sonat. Ante fenestras gementes ventus sibilat. Cubiculum iterum atque iterum luna clarificat. Iuvenis agitatus in lectulo de peregrino quodam et de eius narratiunculis meditatur. "Neque thesaurorum aviditas in me desiderium ineffabile portavit", iuvenis secum loquitur. "Procul a me esto semper turpis lucri cupiditas! Tamen florem istum caeruleum videre in animo est. Namque semper de eo cogitaturus sum; id nisi fit, cessabuntur omnis poesis meditatioque. Eo modo numquam antea fueram. Tempus pristinum in somniis modo vidisse videor. Ego, qui - supinus in lectulo - in mundum novum adveni. In mundo nostro, in quo vitam degebam, quisnam de floribus curam habebit? Tunc numquam de nova florum passione quaestio fuerat. Sed unde oriundus iste peregrinus? Nemo nostrum talem hominem antea viderat. Attamen nescio quamobrem ego tantummodo eius verbis captatus sim. Amici quoque similia audiverant negligentes. De statu meo mirifico neque bene fari queo. Gaudeo sensu isto. In tempore, quo ante oculos flos iste caeruleus abest, porro excitor. Tales res nemo intelligit, nemo intelleget. Opiniabar me esse mentis haud compotem. Ecce ego qui clare video, qui sine errore cogito. Inde multa mihi magis nota sunt. Aliquando de temporibus prioribus loquela fuit. Quando bestiae, arbores, saxa cum hominibus colloquebantur. Credo ea omnia mox reinceptura et argumenta mihi haud ignota sunt. Verba permulta restabunt, de quibus mihi nondum est notio. Quo plures res didicerim, eo melius omnia comprehendam. Olim saltare cupivi; his diebus cum musica cogitare praefero." Iuvenis talia mira dulce cogitans obdormiscit. Primo somnium fit de regionibus alienissimis et remotissimis, quarum imaginatio difficillima est. Adulescens viator est trans maria nihilo impediente. Bestias mirificas inspicit et in populis variis vitam degit, sive in bello, sive in pace. Vel in carcerem demittitur et res minus dulces ei ferendae sunt. Sensus omnes in eo tantopere augentur et vita variata fruitur. Mortuus ad vitam revenit, amore puellae captatur, puella autem amata evanescit. Aurora mane rubescente anima eius quiescit. Imagines visae magis clarificantur et melius capi possunt. Migrare solus videtur in silvis obscuris. Lumen diei trans rete viride paululum ostenditur. Mox ventum est ad voraginem saxosam quae in altum ducitur. In lapidibus muscosis nitendum est, quos torrens secum portaverat. Magis magisque saltus densitatem perdunt et herbarium ad montis pedes situm attingitur. Post gramina scopulus est cui foramen ad pedes. Inde cuniculus in saxum incussus incohabitur. In cuniculo lente et pede plano ad largitudinem exit, unde iam procul lumen cernitur. Adulescens intrans radium gigantem inspicit qui ut aquarum salientium guttae sursum usque ad cameras it, antequam in scintillas separetur. Cuncta haec in profundis pelvibus recolliguntur. Scintillae ut aurum inflammatum lucent. Nec ullum sonitum audire queas nam quies sacra spectaculum splendidum ornat. Iuvenis ad pelves it in quibus colores abundant et tremunt. Cavernae parietes liquido quodam sunt; liquido non calido sed frigidissimo. Contra muros livida lux pusilla iacitur. Adulescens manus in aqua immergit labia umectatum. Ventus quidam spiritalis in eum transire videtur et subito robur, alacritas, vigor in eo pullulant. Cupiditas intolerabilis agit eum ad balnea. Vestimentis depositis in pelves intrat. Vere unda crepusculi eum circumcirca captat; intus sensu caelesti impletur. Notiones concupiscentiae immiscentur. Imagines adhuc ignotae promiscue atque inordinate confunduntur. Elementi istius dulcissimi unda pectus adulescentis petit. Fluxus similis est puellarum iucundarum illecebris, quae ad effectum adducuntur. Adulescens gratissimus, qui numquam a mente discessit, tardus in flumine natat ex pelvibus ad saxa. Dormire cupit cum miris somniis. Ex istis somniis expergefit luce nova. Invenitur in pratis mollibus ad fontium marginem, quae abundanter in aerem profluunt. In aere perduntur, ut impressio fit. Caerulei lapides et venae multicolores in distantia sunt; dies circumcirca clarior et clementior est, caelum atrum et caeruleum et purissimum. Denique altus flos quidam clarissimus ad fontem allicit eum foliis largis suis tangens. In proximis aliorum florum multitudo coloribus variis, qui suaviter olent. Iuvenis solummodo florem istum caeruleum spectat longissime temptaturus, ut illum mulceat. Modo flori appropinquabat, qui autem motus et mutatus est et cuius folia magis lucida caulim crescentem includebant. Flos ante adulescentem inclinatur et folia collum cum ore blando monstrant. Metamorphosis haec magica adulescentem dulce turbat; repente autem vox matris eum excitat, qui in conclavi quodam domus parentalis reperitur. In cubiculo radiis solis matutini inaurato. Iuvenis perturbatus minime iratus matri et salutem dicit et complexus reddit. [Übersetzung: Bernhard Schwaiger]




Alle Sendungen zum Nachhören
artikel/erfordia latina.jpg


18.09.

Kommentare

Zu diesem Artikel sind keine Kommentare vorhanden.

Kommentar hinzufügen


Wird nicht veröffentlicht.