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"Aus neutraler Sicht" von Albert Jörimann - Drohnen

Was stößt auf größeres Interesse bei der Tiktok-Gemeinde, die allgemeine Ausdehnung des Einsatzes von Drohnen zu Kriegs- und Überwachungszwecken oder die Forderung der US-Regierung, dass Simbabwe und Sambia ihr die Patientinnendossiers der Bevölkerung überlassen müssen?

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Das ist nämlich die Bedingung, welche die Vereinigten Staaten von Amerika an die Wiederaufnahme der finanziellen Unterstützung knüpfen, nachdem sie ihre eigene Entwicklungs­hilfe­organisation USAid abgeschafft haben. Was kann das Interesse der US-Regierung an den Gesundheitsdaten von Simbabwe und Sambia sein? Das ist einfach: keines. Es geht nicht um die Regierung, sondern es geht u die Datenkraken, von Google bis Anthropic und OpenAI, die ihre Automaten mit allen möglichen Informationen füttern, und da die Abfüllzentren aus Kostengründen ohnehin in Afrika liegen, in Kenia und in Nigeria, ist es im Wortsinn naheliegend, dass die USA mit den paar Dollars an Unterstützung alles aus Simbabwe und Sambia heraus pressen, was sie ergattern können, eben, für Google zum Beispiel. Ach, da bin ich endlich bei Google, was es mir erlaubt, vom Ex-Google-Chef Eric Schmidt zu sprechen und von seiner Beziehung zur Tochter von Markus Söder. Mit anderen Worten: Markus Söder saugt die Gesundheitsdaten aus Simbwe und Sambia ab! Ausgerechnet der Prophet der schlechten Ernährung will sich an Gesundheitsdaten von künftigen afrikanischen Migrantinnen gütlich tun. Ist das nicht widerlich?

Naja, es ist widerlich, aber nicht wegen dieses frei erfundenen Zusammenhangs, der ausgezeichnet zu Tiktok passt, sondern wegen des Fastfood-Propheten, dem ich ansonsten keine weitere Ehre antun will, vor allem nicht heute, also in einer Zeit, in welcher das westlich benachbarte Bundesland Baden-Württemberg schon wieder einen Grünen zum Regierungschefs des Verbrennermotoren-Landes gewählt hat, was außerhalb der Tiktok-Gemeinde ebenfalls als abstoßend gilt. Aber meine Frage galt neben den Gesundheitsdaten aus Afrika ja den Drohnen. Von ihnen habe ich gelesen im Zusammenhang mit der Unabhängigkeitsbewegung der Westsahara, welche von den marok­ka­ni­schen Truppen jetzt auch noch aus der Luft belästigt wird, nachdem die Sache eigentlich gegessen schien mit dem Freipass von Spanien und Frankreich für die Königinnen von Nordafrika. Von Drohnen war aber auch die Rede im Zusammenhang mit dem Krieg im Osten der Demokratischen Republik Kongo, wo Ruanda und die M23 ein paar von den Fluggeräten beschafft haben. Vom Bürgerkrieg im Sudan will ich gar nicht erst sprechen, und dass sich Äthiopien und Eritrea nicht nur im geistigen, sondern auch im physischen Luftraum bekämpfen werden, falls es wieder zum Krieg kommt, steht fest. Die Drohne steht fest, sozusagen. Nicht nur das: Die Drohne ist allgegenwärtig, und wenn sie kombiniert wird mit der Google-Datenkrake, ist sie auch allwissend, womit wir einen Tiktok-Gottesbeweis erbracht hätten, falls es in der Tiktok-Gemeinde Theologiestudentinnen oder anderweitige Gläubige hätte, woran ich allerdings starke Zweifel habe. Vielmehr glaube ich, wenn Ihr mir ausnahmsweise ein bisschen Glauben erlaubt, dass die Tiktok-Gemeinde im besten Sinne gottlos ist, ich will sagen: Sie glauben nicht deshalb nicht an Gott, weil sie ihn ablehnen oder be­kämp­fen, sondern sie glauben nicht an Gott, weil sie keine Ahnung von Gott und seinem Begriff haben. Ich glaube beziehungsweise lebe im Moment mit der Arbeitshypothese, was besser for­mu­liert ist als «Ich glaube», dass auf der anderen Seite der Tiktok-Gott-Drohne eine ansehnliche Masse an rhythmisch zuckenden, durchaus gut ausgebildeten und für den Abeitsmarkt tauglichen Arbeiter­bie­nen steht. Also eben Drohnen. Ein paar Tage nach dem Internationalen Frauentag am 8. März kann man es ja wieder einmal zitieren: Die Drohne ist das männliche Tier bei Honigbienen, das aus unbefruchteten Eiern entsteht, und aus purem Jux zitiere ich noch weiter aus der Wikipedia: «Die Kopulation mit einer jungen Bienenkönigin findet bei einem Hochzeitsflug statt. Hierbei wird der Penis der Drohne herausgestülpt. Nach der Begattung verbleibt der Penis der Drohne bei der Bienenkönigin, die Drohne fällt von der Königin ab und stirbt.» Ha! Das sind Texte, wie gemacht für den internationalen Tag der Frau! Lang lebe die Wikipedia!

Aber ich glaube, dass die Tiktok-Gemeinde sich nicht dafür interessiert, sondern stattdessen vielleicht zur Kenntnis nehmen wird, dass Marokko die Afrikameisterschaften im Frauenfußball verschoben hat, weil sie die Stadien benötigen, um die nationalen Männer-Meisterschaften zu Ende zu spielen. Das konnte man ja nicht wissen, als man sich um die Austragung bewarb, dass auch die Drohnen in Nordafrika Fußball spielen und dass man denen ihren Spielplan unbedingt einhalten muss, sonst bleibt ihnen der Penis im Fußball stecken, fällt ab, und die Drohnen-Fußballer sterben, das will niemand. Oder anders gesagt: Jetzt warten wir einfach sehnlich darauf, dass sich Qatar und Saudiarabien für die Austragung der Frauen-Fußball-Weltmeisterschaften bewerben.

Die Iranerinnen nehmen nicht an den Afrika-Fußballmeisterschaften der Frauen teil, sondern sie spielten in Australien an den Asien-Meisterschaften. Sie haben zwar ihre Spiele alle verloren, werden aber nicht deswegen von der Regierung beschimpft, sondern vermutlich weil sie die Staatstrauer nach der Ermordung von Ali Chamenei nicht eingehalten haben. Die Chefs haben unterdessen seinen Sohn zum Nachfolger bestimmt, und zwar, nehme ich an, als obersten religiösen Führer und Ajatollah, was man natürlich nicht in einer demokratischen Wahl ermitteln kann, was man aber umgekehrt auch nicht innerhalb der Familie regeln sollte, sonst wird uns in den Vereinig­ten Staaten nach der Lastwagenhupe noch Jared Kushner Präsident. Daran hat er wieder nicht ge­dacht, der Iraner, dass er da nicht mit schlechtem Vorbild vorangehen sollte. Dabei hat sogar die Lastwagenhupe die von Muktada Chamenei eine schlechte Wahl genannt.

Das ist im Moment unge­fähr alles, was ich an Spott zusammen kratzen kann in einer Situation, in der mir zwar nicht die Worte ausgehen, in der ich aber den starken Eindruck habe, dass es nicht die Zeit ist, die Eindrücke in irgendwelche Worte zu fassen. Es ist zu früh dazu. Von den Sympathien her, um die es hier so­wie­so gar nicht geht, bin ich einigermaßen im Gleichgewicht. Die Iranerinnen beziehungsweise die iranische Regie­rung kann ich ziemlich genau gleich schlecht ausstehen wie den Journalisten­mör­der Moham­med bin Salman in Saudiarabien, allerdings mit leichten Vorteilen für den Journalisten­mörder, weil der sich trotz allem ernsthaft mit Modernisierungsfragen beschäf­tigt; ebenfalls nicht ausstehen kann ich den israelischen Premierminister, ein Gauner von ähnlichem Kaliber wie die Lastwagenhupe, aber tausendmal intriganter und intelligenter; über den Erdo­pam­pel, einen weiteren geschätzten Nachbarn in der Region, brauche ich mich nicht zu äußern, eben­falls nicht zu Aser­beid­schan, das die beiden Eigenschaften als Erdölproduzent und als Ausrichter von UNO-Umwelt­gip­feln ebenso charmant vereinigt wie Cem Özdemir in Baden-Württemberg, und auch nicht zu Afgha­nistan beziehungsweise zu den von allen Göttern verlassenen Taliban, mit welchen aus unerforschlichen Gründen nach wie vor zahlreiche Länder Beziehungen unterhalten; für die Golfstaaten gilt grosso modo das gleiche wie für Saudiarabien, das Dröhnen der Lastwagen­hupe kann man weder mit sprachlichen noch musikalischen Begriffen fassen, und zu Israel fällt mir im Moment nichts anderes ein, als die Schlagzeilen des Israel-Netzes zu zitieren, das am 6. März schreibt, dass das Hlfswerk ZAKA mit einer 140'000-Dollar-Spende aus Taiwan mobile Licht­mas­ten gekauft habe, die offenbar bei Raketentreffern wie jenem in Beit Schemesch mit neun Toten zum Einsatz kommen. Am 4. März hat sich der israelische Armeesprecher Effie Defrin in einer Videobotschaft auf Hebräisch mit Untertiteln in Frasi an das iranische Volk gewandt und gesagt, nein, nicht gesagt, sondern betont, dass sich die Offensive Israels und der USA nur gegen das mörderische Terrorregime richteten, nicht aber gegen die Zivilbevölkerung, und dass die Hände des Regimes unzählige Opfer aus dem iranischen Volk gequält hätten. Womit er recht hat; wenn man diesen Maßstab allerdings in Gaza anlegen täte, wäre dies die perfekte Rechtfertigung für ein Selbstbombardement Israels. Aber dies am Rande. Daneben habe der Krieg gegen den Iran Israel laut Finanzminister Smotritsch bisher 2.5 Mia. Euro gekostet. Etwas zuvor gab es einen Besuch des indischen Staatspräsidenten Modi, der mit einer Ehrenmedaille ausgezeichnet wurde und vor dem israelischen Parlament eine Rede hielt. Als da­nach Parlamentssprecher Ochana und Premierminister Netanyahu das Wort ergriffen, verließen die Vertreterinnen der Opposition den Saal, und zwar nicht wegen Modi, sondern weil der Präsi­dent des Obersten Gerichtes Jizchak Amit von der Sitzung ausgeschlossen worden war. Die Regie­rung anerkennt die Wahl Amits im letzten Jahr nicht an. Das kennen wir aus anderen Ländern. Dane­ben spricht das Israelnetz von der gestiegenen Zahl an antisemitischen Vorfällen in Irland; der dortige jüdische Repräsentantenrat hat im letzten Halbjahr 2025 143 Vorfälle erfasst, wobei weniger als ein Viertel der Betroffenen Anzeige erstatten würden; es gebe in Irland keinen offiziellen Mechanismus zur Erfassung antisemitischer Vorfälle. Und noch eine ältere Meldung ist mir aufgefallen: Herr Jesoni Vitusagavulu, der Botschafter der Republik Fidschi, hat das Bot­schafts­gebäude dieser Republik in Jerusalem bezogen. Das ist schön. Ebenfalls schön ist, dass das Israelnetz von der Christlichen Medieninitiative Pro unterstützt wird, was ur­sprüng­lich eine Konferenz evangelikaler Publizisten war; im Vorstand sitzt heute unter anderem der Erfurter Dr. Matthias Huff, der verschiedene Formate für den Kinderkanal von ARD und ZDF ent­wic­kelt hat, und der Generalsekretär der Deutschen Bibelgesellschaft Christoph Rösel aus Stuttgart oder Martin Scheuermann aus Schwqäbisch Gmünd, der Geschäftsführer und theologische Leiter des Christlichen Gästezentrums Württemberg Schönblick GmbH und Vorsitzender des Kongresses christlicher Führungskräfte. Und so weiter, kurz: alles ganz normal und nicht der Rede oder der Worte wert.

So ist unglücklicherweise im Moment die Gesamtlage: Es gibt keine vernünftigen Worte dafür. Die Einschätzung und die Analyse wird vom einzigen objektiven Richter vorgenommen, nämlich von der Realität selber, vor welcher ich mich hiermit verneige. Spekulationen sind selbstverständlich erlaubt, ja sogar notwendig, aber auch dafür ist im Moment die Zeit noch zu früh. Nur das Thema für die Spekulationen kann man grob umreißen: Gibt es eine Möglichkeit, sich gegen die mit Auf­klä­rungs- und Gesundheits- und allgemeinen Daten gefütterten und von ihnen geführten Himmels­kör­per, also gegen die Drohnen zu wehren? Gibt es für den Sohn von Ali Chamenei eine Mög­lich­keit, dem laut angekündigten Mordanschlag der Israeli auf ihn zu entkommen? Und gibt es im Zeitalter der Vollüberwachung eine andere Möglichkeit als Terroranschläge, sich gegen die globale Vorherrschaft des US-Militärs zu wehren? – Nun gut, da werden sich die Russinnen und Chine­sin­nen ihre eigenen Gedanken machen, vielleicht die Führungsspitzen der anderen Atommächte eben­so, aber wenn wir von den Möglichkeiten kleinerer Gruppen sprechen, dann sind die auf Gedeih und Verderb dem guten Willen von Erscheinungen wie Benjamin Netanjahu und der Lastwagen­hupe ausgeliefert. Das Ausmaß dieser Dominanz ist wirklich schockierend, soviel kann ich aus neutraler Sicht immerhin sagen.



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Albert Jörimann
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