Das Ferngespräch - „Urangeschichten und Arbeiter:innenidentität in der Wismut“
Anlässlich des 1. Mais sprachen wir mit der Historikerin Dr. Astrid Kirchhof über Lebensrealitäten, Erinnerung und Identität der DDR-Uranarbeiter:innen.
... In den Schächten, Gruben und Tagebauen der Wismut schürften sie nach „Uran für den Frieden“ - Uranabbau und Bergarbeiter:innentradition prägten die ganze Erzgebirgsregion - egal ob Sportverein, Theater oder Kulturzirkel, die Wismut spielt bis heute eine zentrale Rolle. Obwohl der Betrieb seit über 30 Jahren zum erliegen gekommen ist und die Spuren des Bergbaus zurückgebaut werden, identifizieren sich die ehemaligen Arbeiter:innen noch immer stark mit der Wismut. Sie sprechen durchweg positiv über ihre Zeit, Solidarität und Gemeinschaft im Uranbergbau - negative Aspekte wie Umweltzerstörung oder gesundheitliche Schäden werden dabei externalisiert und ausgeblendet. Dr. Astrid Kirchhof spricht im Interview über die Entstehung homogener, kollektiver Erinnerungen, die manchmal wenig mit der historischen Wirklichkeit übereinstimmen - so erzählen etwa viele männliche Zeitzeugen, es habe nie Frauen unter Tage gegeben - doch während der gesamten Wismutzeit waren Bergarbeiterinnen in den Schächten aktiv und berichten davon noch immer stolz.
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