Mediathek
Grenzenlose Hundewiesen
Eingezäunte Hundewiesen sind in anderen Kommunen selbstverständlich. Seit vielen Jahren wünschen sich Hundehaltende aus Erfurt auch für ihre Hundewiesen Zäune; im Stadtrat war es schon mehrmals Thema. Doch die Stadtverwaltung lässt die Hundehaltenden allein.
Eine Videoreportage über Grenzen zwischen Hundehaltenden und Stadtverwaltung.
Inhalt:
⇒ Reportage "Grenzenlose Hundewiesen"
⇒ Interview mit Carolin Held (Stadtratsfraktion "Die Linke")
⇒ Interview mit Jasper Robeck (Stadtratsfraktion "Bündnis 90/Die Grünen")
⇒ Schriftliche Korrespondenz und Interview mit der Stadtverwaltung
⇒ Interview mit der Interessengemeinschaft "Hundewiese Geraaue e.V."
Grenzenlose Hundewiesen
Radiohund Bucky ist voller Aufregung: Bei unserer ersten Besichtigung der Hundewiese im herbstlichen Nordpark kann er direkt mit toben. Bei so viel Aufregung können die Hunde schnell mal quer über den Radweg flitzen. Hunde wissen nicht, wo die Hundewiese offiziell aufhört. Alle hier im Nordpark müssen besonders Rücksicht aufeinander nehmen. Deshalb gibt es hier auch diese großen Warnschilder. Einen Zaun, wie ihn sich einige Hundehaltende wünschen, gibt es bisher an keiner der sechs Hundewiesen in Erfurt.
Hundehaltende und Parkbesuchende denken unterschiedlich über Zäune, wie wir bei einem weiteren Besuch im winterlichen Nordpark erfahren durften:
„Das wäre vermutlich eine gute Idee. Würde vielleicht hier das Bild nicht so schön machen. Aber ich habe auch schon beobachtet, dass also Hunde hier auch Radfahrer zu Fall gebracht haben, weil die hier quer rübergesprungen sind. Und die nehmen natürlich auch nicht Rücksicht auf die Leute und auf die Hunde hier im Gebiet, obwohl sie das wissen, dass die frei laufen. Also, würde ich eine gute Idee finden, muss ja nicht wie für die Löwenhaltung zwei Meter hoch sein. Das reicht manchmal da ein kleines optisches Hindernis.“
„Also, meine Meinung ist, dass es das nicht unbedingt braucht. Ich kann verstehen, wenn Leute sagen, die vielleicht Angst vor Hunden haben, dass es notwendig ist. Gibt ja auch Leute, die jetzt ihre Hunde vielleicht nicht so gut erziehen oder nicht an der Leine halten, obwohl das vielleicht manchmal angebracht wäre. Aber meiner Meinung nach, braucht es das nicht unbedingt.“
Thema im Rathaus
Darüber gilt es zu diskutieren. Das findet Carolin Held - für die Linkspartei im Erfurter Stadtrat - und benennt Sorgen und Vorschläge:
„Wir haben vor allem, beispielsweise hier im Nordpark, viele Gruppen. Also, die Radfahrenden, die Fußgänger, aber auch die Hunde und die Hundebesitzer. Und da entsteht ein Nutzungskonflikt und der führt unweigerlich dazu, dass Menschen aufeinander treffen – beispielsweise der Radfahrer oder die Radfahrerin mit dem Hund. Und das führt zu Unfällen, und auch zu der Sorge, durch den Park zu fahren und kommt der Hund jetzt zu nah oder eben nicht. Und diese Sorge wollen wir gerne beschwichtigen, indem man eine relativ einfache Lösung schafft in den Parks, indem man sie in irgendeiner Form abgrenzt vom Fußweg, wie hier, oder aber auch von einem anderen Grundstück.“
Die erste Hundewiese mit Zaun hätte es fast gegeben – hier gegenüber der alten Zahnklinik an der Nordhäuser Straße. Das Vorhaben wurde gestoppt. Das ergibt sich aus einer Anfrage der Grünen-Fraktion im Erfurter Stadtrat. Die Stadtverwaltung, unter Leitung von CDU-Oberbürgermeister Andreas Horn, antworte auf die Anfrage:
„Dieses Vorhaben wurde […] wieder aufgegeben, da die EVAG im Vorgriff auf die Umgestaltung der Nordhäuser-Straße die barrierefreie Umgestaltung der Haltestelle Baumerstraße (stadteinwärts) realisieren will und hierfür eine Reihe von Parkplätzen entfallen muss. […] Eine mögliche Nutzung dieser Fläche als Hundewiese entfällt damit dauerhaft.“
Wir haben mit Jasper Robeck von der Stadtratsfraktion der Grünen über die Absage gesprochen.
„Naja, es ist ein Hin und Her. Wir reden seit Jahren über umzäunte Hundewiesen. Das ist ein großer Wunsch der Hundehalter:innen in Erfurt. Und eigentlich hat die Verwaltung in Aussicht gestellt, hier an der Nordhäuser Straße könnte das verwirklicht werden. Und dann kam Mitte letzten Jahres das zurück und die Aussage: Stattdessen sollen hier Parkplätze entstehen. Das ist ein bisschen frustrierend.“
Wir fragen im Rathaus nach. Mitarbeitende der Pressestelle teilen uns mit: Wegen der thematischen „Komplexität und unterschiedlicher Zuständigkeiten“ könne uns kein Interview vor der Kamera gegeben werden. Stattdessen wurde uns angeboten schriftlich auf unsere Fragen zu antworten. Wir haben der Pressestelle daraufhin unsere Fragen zugeschickt und zwei Wochen Zeit für die Antworten gegeben. Leider hat uns die Stadtverwaltung in diesen zwei Wochen nicht geantwortet. Wie die Stadtverwaltung mit der Debatte um eingezäunte Hundewiesen und der Brachfläche umgeht, erklärt sich Jasper Robeck so:
„Das Problem, was ich wahrnehme, ist, dass niemand so wirklich sich damit beschäftigt und das immer nur eine sehr geringe Priorität hat. Und das heißt, die Hundewiese, ob die jetzt kommt oder nicht und wo sie kommt und wo man mal was einzäunt wird so hin und her geschickt und am Ende anderen Sachen untergeordnet.“
Für die Stadtverwaltung kommt es aktuell nicht in Frage, etwas an den Hundewiesen zu verändern. In den Drucksachen lesen wir verschiedene Begründungen dafür. Carolin Held erinnert sich an die Antwort der Verwaltung, hat Kritik und zieht Schlüsse:
„Naja, wir hatten ja die Antwort bekommen der Verwaltung, dass es gestalterisch nicht gewünscht ist eine physische Barriere quasi zu pflanzen oder einen Zaun zu setzen. Das ist natürlich sehr, sehr unbefriedigend mit Blick darauf, dass es der Sicherheit dienen soll. […] Das kam ja auch zum Ausdruck, dass die Leinenpflicht da immer vorangestellt wird und dass der Hundehalter dafür verantwortlich ist, dass der Hund eben nicht auf die Fahrbahn oder auf den Gehweg läuft. Allerdings ist es natürlich auch etwas zynisch, wenn man eine Freifläche zur Verfügung stellt, damit Hunde sich begegnen können. […] Wenn tatsächlich das Argument der Verwaltung, das harte Argument ist, dass es um die finanziellen Mittel geht, dann müssen wir uns als Fraktion – und wir sind uns fast alle einig bei diesem Thema – darum kümmern, dass wir im Haushalt Geld dafür einstellen. Und dafür braucht es aber eben auch natürlich eine Verwaltung, die sagt, ‚ja, wir würden das umsetzen und ja, wir finden Wege‘ […] oder wie man da zu einem guten Kompromiss kommt.“
Private, eingezäunte Hundewiesen: Die Interessengemeinschaft „Hundewiese Geraaue e.V.“
Einen Weg gefunden, um Verantwortung und Kompromissbereitschaft zu zeigen, haben Hundehaltende zum Beispiel hier. Die Mitglieder der „Interessengemeinschaft Hundewiese Geraaue e.V.“ haben sich selbst um einen sicheren, eingezäunten Ort für ihr Hundetraining gekümmert. Am Rande eines Trainings treffen wir Tiffany Hahn vom Vereinsvorstand. Durch die Erfahrungen aus dem Training hat Tiffany Hahn eine klare Position zu eingezäunten Hundewiesen:
„Prinzipiell sehen wir auch ganz klar, dass die Hundewiesen eingezäunt sein wären, aus Schutz vor aller. Also aus Schutz dessen, dass die Hunde bitte nicht auf die Straßen oder auf die Fahrradwege laufen, die dort meistens sehr in der Nähe sind. Aber auch manche Hundewiesen sind in Spielplatznähe, so dass man sagen muss, auch Kinder können ja einfach... da ist ja kein Zaun. Also auch für Kinder ist es ja nicht ganz klar, genauso wie für die Hunde: Wo ist denn diese Grenze zu ende, diese Wiese zu ende, so dass ein Zaun, glaub ich schon, für alle – für Mensch wie Hund – gut geeignet wäre.“
Dass der Verein ein eigenes Gelände für das Training nutzt und nicht die Hundewiesen, begründet Tiffany Hahn so:
„Weil wir einfach Glück haben, dass wir hier einen Zaun drum herum haben, wo wir abgesichert trainieren können. […] Die Hundewiesen eignen sich nicht ganz so gut für Training. Also um das in der Hinsicht zu beantworten, weil ja da frei laufende Hunde sind, die meistens vielleicht auch nicht abrufbar sind.“
Der Verein entstand aus einer Initiative von Hundehaltenden. Früher trafen sie sich noch auf einer alten Hundewiese der Stadt. Heute gibt es die Hundewiese am Mühlgraben nicht mehr. Tiffany Hahn war damals selbst noch nicht dabei, kennt aber die Geschichte der Gründungsmitglieder:
„Weil sie eben auch eine Freilauffläche haben wollten, wo sie trainieren wollen. Gerade so ein bisschen in das Thema Hundesportrichtung wollten die gehen und haben sich so gesehen 2018 gegründet. Mussten dann... 2018 ist diese Freilauffläche wegen der BUGA aufgelöst worden und mussten dann ein neues Gelände sich suchen und haben dann 2020 so gesehen von der Stadt hier das Gelände angeboten bekommen, was sie so gesehen als Verein dann nutzen durften. Und seit 2020 befindet sich so gesehen die ‚Hundewiese Geraaue‘, also die Interessengemeinschaft, hier auf dem Gelände.“
Arnstadts eingezäunte Hundewiese
Wir müssen nicht weit aus Erfurt rausfahren, um eine städtische Hundewiese mit Zaun zu finden. Hier in Arnstadt gibt es seit 2020 die Hundewiese am Wollmarktteich. Die Hunde haben hier nicht nur Auslauf: Dank der Baumstämme können sie sogar sportlich beschäftigt werden. Auf Hundewiesen kann es schnell unübersichtlich werden. Für die Hundehaltenden, die wir hier heute treffen, ist ein Zaun deshalb unbedingt notwendig.
„Das muss, finde ich, bei einer Hundewiese auch sein“ - „Warum?“ - „Weil sonst... Wenn sie abhauen, die Hunde, und man kann nicht immer genau alle im Blick halten... finde ich besser. Also, ich persönlich, finde das gut.“
„Ich finde es ganz wichtig, weil sonst die Hunde, denke ich mir mal, auch... ja, man kann ja sagen, auch abhauen tun oder eben halt wirklich auf die Straßen rennen, oder eben halt auf einmal weg sind oder... und ja, deswegen muss es eingezäunt sein, um auch andere Gefahren... Es gibt ja auch Hunde, die nicht vielleicht so lieb sind oder so. Und wenn die dann doch irgendwo von der Hundewiese weggehen, können sie ja auch... Sie wissen ja, was schon... ist ja schon viel passiert, dass sie doch auch schon mal Kinder oder andere Leute mal... Und da finde ich es gut, dass es eingezäunt ist. Und auch gut für die Hunde und auch für Rundrum.“
Wie geht es weiter?
Kurz bevor wir diesen Beitrag fertig geschnitten haben, reicht uns die Erfurter Stadtverwaltung verspätet ihre Antworten auf unsere Fragen nach.Im Wesentlichen wiederholt sie die Punkte, die sie auch den Stadtratsmitgliedern nannte. Auf der Brachfläche gegenüber der Zahnklinik wird wohl bis frühestens zum zweiten Halbjahr 2027 nichts passieren. So geht es zumindest für uns aus der nachgereichten Antwort der Verwaltung hervor. Für Jasper Robeck bleibt es zeitlich und finanziell machbar, die Brachfläche zwischenzeitlich zu nutzen:
„Die Stadtverwaltung meint, es würde 20.000 Euro kosten, quasi diese Umzäunung zu machen. Ich glaube, im Zweifel, wenn man hier noch eine weitere Hecke pflanzt kommt man deutlich unter dieser Summe weg. Und vor dem Hintergrund, zumindest bei der Fläche hier, könnte man sehr schnell noch innerhalb des nächsten Halbjahres anfangen.“ - „Innerhalb des nächsten Halbjahres – was haben Sie denn konkret in der Zukunft dafür noch vor?“ - „Wir werden das Thema auf jeden Fall nochmal im Stadtrat besprechen und konkret vorschlagen, ob man nicht zumindest temporär anfangen kann, die Fläche als Hundewiese zu nutzen. Gerade wenn eben nicht zeitnah hier von der EVAG gebaut werden soll.“
Zäune um Erfurts bestehenden Hundewiesen soll für die Linksfraktion kein Dauerthema bleiben. Carolin Held:
„Es gibt mehrere Fraktionen, die jetzt diese Anfrage gestellt haben. Wir reden seit 2013 als Linke darüber, und finden, jetzt müsste langsam einmal der Weg geebnet werden, damit wir eine Lösung finden.“
Bis es diese Lösung gibt, werden Erfurts Hundewiesen für unseren Radiohund Bucky nicht die sicherste Option sein.
Anmerkung: Nach Redaktionsschluss ist von der Linkspartei eine weitere Drucksache zu den Hundewiesen im Erfurter Rathaus eingebracht worden. Die Linkspartei fordert die Stadtverwaltung dazu auf, nach Optionen für die Hundewiesen zu suchen und diese im Ausschuss Ausschuss für Stadtentwicklung, Bau, Umwelt, Klimaschutz und Verkehr vorzustellen. Die Stadtverwaltung lehnt das erneut ab.
Die Grünen-Fraktion regt ebenfalls nochmal an, im Rathaus über eine Hundewiese an der Nordhäuser Straße zu entscheiden.
Laut den Drucksachen soll voraussichtlich am 18. März 2026 in der Stadtratssitzung über die Hundewiesen gesprochen werden.
Quellen:
buergerinfo.erfurt.de; Drucksache 0528/25; „Hundewiesen in Erfurt und eingenommene Hundesteuer“
Erfurt.de, „Erfurt für Hundebesitzer“
buergerinfo.erfurt.de; Drucksache 0765/25; „Hundewiesen in Erfurt“
buergerinfo.erfurt.de; Drucksache 1672/23; „Hundewiese Nordpark“
buergerinfo.erfurt.de; Drucksache 2381/13; „Hundewiese Nordpark“
„Neue Hundewiese: Ein Weihnachtsgeschenk an Arnstädter Hundehalter“; Thüringer Allgemeine, 25.12.2020
Interessengemeinschaft Hundewiese Geraaue e.V.
buergerinfo.erfurt.de; Drucksache 0588/23; „Eingezäunte Hundewiese in der Erfurter Innenstadt?“
buergerinfo.erfurt.de; Drucksache 1149/25; „Wie viel kostet die Umzäunung?“
Interview mit Carolin Held (Stadtratsfraktion „Die Linke“)
Interview mit Jasper Robeck (Stadtratsfraktion „Bündnis 90/Die Grünen“)
Schriftliche Korrespondenz und Interview mit der Stadtverwaltung
Gesendet: Montag, 12. Januar 2026 19:12
An: Dobenecker, Heike; D01-Pressestelle <presse@erfurt.de>
Sehr geehrte Frau Dobenecker,
für ein Video-Bericht zum Thema „Umzäunung von Hundewiesen in Erfurt" möchten wir gern ein Interview mit Ihnen oder/und eine:r Verteter:in der Stadtverwaltung führen.
In dem Bericht geht es primär um den Wunsch von Hundehaltenden nach umzäunten Hundewiesen im Stadtgebiet, was auch wiederkehrend über den Stadtrat ins Rathaus getragen wird.
Wir möchten darüber sprechen, wie die Stadtverwaltung mit dieser Thematik umgeht bzw. zukünftig umgehen will.
In diesem Zusammenhang möchten wir auch gern über das gestrichene Vorhaben sprechen, eine temporäre, umzäunte Hundewiese gegenüber der alten Zahnklinik an der Nordhäuser Straße zu errichten.
Das Video-Interview möchten wir gern im Rathaus führen. Ist in der Woche vom 19. bis 23. Januar ein Interviewtermin möglich? Von der Uhrzeit her sind wir flexibel zwischen 12 und 17 Uhr.
Für das Interview rechnen wir maximal mit ca. 10-15 Minuten, welches von meiner Kollegin Donata Hille geführt werden wird. Wir werden ein Team aus 2 (ggf. 3) Personen sein.
Veröffentlicht wird der Video-Bericht auf der Website bzw. den Social-Media-Kanälen von Radio F.R.E.I.
Eine reine Audiofassung des Berichts bzw. Interviews wird zu einem späteren Zeitpunkt in unserem Programm gesendet.
Falls noch Rückfragen bestehen, stehen wir gern zur Verfügung.
Wir freuen uns auf Ihre Rückmeldung!
Freundliche Grüße
Martin Lehmann
Radio F.R.E.I.
Am 20.01.2026 um 09:28 schrieb presse@erfurt.de:
Sehr geehrter Herr Lehmann,
vielen Dank für Ihre Anfrage. Aufgrund der Komplexität und unterschiedlicher Zuständigkeiten innerhalb des Themenbereiches ist es schwierig einen Ansprechpartner zu benennen. Gern beantworten wir Ihnen Ihre Fragen jedoch schriftlich.
Mit besten Grüßen aus dem Erfurter Rathaus
[Name entfernt, Anmerkung der Redaktion]Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Bereich Oberbürgermeister
Landeshauptstadt Erfurt
Stadtverwaltung
Gesendet: Donnerstag, 22. Januar 2026 08:59
An: D01-Pressestelle <presse@erfurt.de>
[Anrede und Name entfernt, Anmerkung der Redaktion]
wir bedauern, dass Sie uns keine Ansprechperson für ein konkretes Interview anbieten können. Über die Beantwortung folgender Fragen zur Berücksichtigung in unserer Recherche und Veröffentlichung auf unseren Kanälen freuen wir uns dennoch:
-
Bei Hundehaltenden in Erfurt gibt es wiederholt den Wunsch, Hundewiesen zu umzäunen oder andersweitig einzugrenzen, beispielsweise durch Hecken o.ä. Hundehaltende erhoffen sich dadurch eine sichere Nutzung der Hundewiesen - auch, damit andere Menschen sich in unmittelbarer Nähe von Hundewiesen sicherer fühlen, die beispielsweise fremde Hunde nicht einschätzen können oder allgemein Angst vor Hunden haben. Wie ist die Position der Stadtverwaltung grundsätzlich zu diesem Thema?
-
Wie schätzt die Stadtverwaltung das Verhältnis zwischen Verantwortung der Hundehaltenden und der Stadtverwaltung ein?
-
Welche Maßnahmen plant die Stadtverwaltung für die Zukunft im Hinblick auf das Zusammenleben mit Hunden in der Stadt?
-
In Arnstadt gibt es seit 2020 eine eingezäunte Hundewiese, die bei unserer Vorort-Recherche von Hundehaltenden positiv angenommen wird. In einem Bericht der Thüringer Allgemeine heißt es: „insgesamt kostete der Freizeitpark für die Vierbeiner rund 25.000 Euro“ und die Arbeiten waren „quasi nebenbei, sehr schnell und sehr gut“ umgesetzt worden. Inwiefern beeinflussen die Umstände in Arnstadt als Nachbarstadt die Art, wie die Stadtverwaltung in Erfurt mit ihren Hundewiesen und Hundehaltenden zukünftig umgehen wird?
-
Bezugnehmend auf die Antwort der Stadtverwaltung auf Drucksache 1149/25 Punkt 2: Inwiefern sind die in der DS genannten Vorhaben (barrierefreie Umgestaltung der Haltestelle Baumerstraße + provisorische Parkierungsanlage) noch aktuell? Wann werden die genannten Vorhaben konkret fertiggestellt sein?
-
Welche Alternativ-Vorschläge bietet die Stadtverwaltung aufgrund des Wegfalls der Nutzung als Hundewiese an?
-
Wir freuen uns auf Ihre Antworten auf unsere Fragen bis zum 6. Februar 2026 um 16 Uhr und bedanken uns!
Freundliche Grüße
Martin Lehmann
Radio F.R.E.I.
Am 11.02.2026 um 16:38 schrieb presse@erfurt.de:
Sehr geehrter Herr Lehmann,
bitte entschuldigen Sie die etwas verspätetet Rückmeldung, nachfolgend die Antworten auf Ihre Fragen:
Bei Hundehaltenden in Erfurt gibt es wiederholt den Wunsch, Hundewiesen zu umzäunen oder anderweitig einzugrenzen, beispielsweise durch Hecken o.ä. Hundehaltende erhoffen sich dadurch eine sichere Nutzung der Hundewiesen - auch, damit andere Menschen sich in unmittelbarer Nähe von Hundewiesen sicherer fühlen, die beispielsweise fremde Hunde nicht einschätzen können oder allgemein Angst vor Hunden haben. Wie ist die Position der Stadtverwaltung grundsätzlich zu diesem Thema?Gemäß §6 der Stadtordnung sind Hunde generell so zu führen, dass andere nicht gefährdet oder belästigt werden. Der Hundehalter muss jederzeit in der Lage sein seinen Hund sicher zu führen das gilt für die öffentlichen Straßen und Anlagen wo Leinenpflicht besteht ebenso wie auf den ausgewiesenen Hundefreilaufflächen wo die Leinenpflicht nicht besteht. Hier sollte jeder Halter sicherstellen, dass sein Hund abrufbar ist und es nicht zu unerwünschten Begegnungen kommt. Andernfalls kann ggf. der Hund nicht von der Leine gelassen werden.
Hundefreilaufflächen sind ein zusätzliches Angebot um eine artgerechte Haltung und genügend Auslauf unter den o.g. Voraussetzungen zu ermöglichen. Es ist aber in der Verantwortung jedes Hundehalters selbst dafür zu sorgen, dass das Tier genügend Auslauf erhält und eine artgerechte Haltung möglich ist. Hierfür gibt es auch privatrechtlich organisierte Hundeschulen oder Vereine, die eingezäunte Flächen anbieten.
Um ein offenes Gesamtkonzept in den Parks und Grünanlagen anbieten zu können, wird von eingezäunten bzw. abgesperrten Bereichen innerhalb von Parkanlagen abgesehen. Neben den Ansprüchen eines weit gefächerten Besucherspektrums müssen zudem der Pflege- und Unterhaltungsaufwand berücksichtigt werden, welcher durch die Einzäunung von Teilflächen erschwert würde. Hinzu kommt, dass viele Grünanlagen unter Denkmalschutz stehen und die Errichtung eines Zaunes somit zu Beeinträchtigungen führen würde.
Wie schätzt die Stadtverwaltung das Verhältnis zwischen Verantwortung der Hundehaltenden und der Stadtverwaltung ein?
Trotz der Aufhebung der Leinenpflicht in diesen Bereichen, ist der Hundebesitzer in der Pflicht seinen Hund unter Kontrolle zu halten, da dieser haftet, wenn sein Hund einen Dritten schädigt. Die Landeshauptstadt als Betreiberin der Hundefreilauffläche haftet in dem Fall nicht.
Welche Maßnahmen plant die Stadtverwaltung für die Zukunft im Hinblick auf das Zusammenleben mit Hunden in der Stadt?
Die Parks und Grünanlagen der Stadt dienen allen Bürgern als Ruhezonen, der Erholung und der aktiven Freizeitgestaltung. Grünanlagen dienen zugleich dem Schutz der Flora und Fauna sowie dem Ausgleich der vielfältigen Umweltbelastungen der Stadt. Sie sind multifunktionale Flächen von denen es bereits jetzt viel zu wenig gibt und dadurch die Übernutzung steigt. Aus diesem Grund sollen auch keine Flächen aus dieser Nutzung für alle herausgelöst werden um sie exklusiven Nutzungen zur Verfügung zu stellen. Das gilt nicht nur für Hundehalter.
In Arnstadt gibt es seit 2020 eine eingezäunte Hundewiese, die bei unserer Vorort-Recherche von Hundehaltenden positiv angenommen wird. In einem Bericht der Thüringer Allgemeine heißt es: „insgesamt kostete der Freizeitpark für die Vierbeiner rund 25.000 Euro“ und die Arbeiten waren „quasi nebenbei, sehr schnell und sehr gut“ umgesetzt worden. Inwiefern beeinflussen die Umstände in Arnstadt als Nachbarstadt die Art, wie die Stadtverwaltung in Erfurt mit ihren Hundewiesen und Hundehaltenden zukünftig umgehen wird?
Die Erfahrungen haben gezeigt, dass eine Fokussierung auf unsere Kernaufgaben erforderlich ist, da zusätzliche Projekte außerhalb dieses Rahmens unsere personellen und organisatorischen Kapazitäten übersteigen.
Bitte beachten Sie hierzu auch die Antworten zu Frage 3. und 5.
Bezugnehmend auf die Antwort der Stadtverwaltung auf Drucksache 1149/25 Punkt 2: Inwiefern sind die in der DS genannten Vorhaben (barrierefreie Umgestaltung der Haltestelle Baumerstraße + provisorische Parkierungsanlage) noch aktuell? Wann werden die genannten Vorhaben konkret fertiggestellt sein? Welche Alternativ-Vorschläge bietet die Stadtverwaltung aufgrund des Wegfalls der Nutzung als Hundewiese an?
Der barrierefreie Ausbau der Haltestelle „Baumerstraße“ wird seitens der EVAG bereits seit vielen Jahren angestrebt. In der aktuell vorgesehenen Variante ist für die Errichtung der Haltestelle der Wegfall von Parkflächen im Seitenbereich erforderlich. Darüber hinaus ist eine fußläufige Anbindung der Haltestelle vorgesehen, wodurch weitere Stellplätze entfallen würden.
Die wegfallenden Parkplätze sollen vorübergehend auf der Grünfläche an der Ecke Nordhäuser Straße / Erhard-Etzlaub-Straße kompensiert werden. Diese Fläche war ursprünglich als temporäre Hundewiese vorgesehen. Perspektivisch ist dort gegebenenfalls die Errichtung einer Parkpalette geplant. Aufgrund begrenzter personeller Ressourcen kann keine alternative Fläche für eine Hundewiese zur Verfügung gestellt werden und das Projekt wird nicht weiterverfolgt.
Da die barrierefreie Haltestelle „Baumerstraße“ nur mit einer fußläufigen Anbindung attraktiv ist, wird die Baumaßnahme gemeinsam realisiert. Die Realisierung ist im Zusammenhang mit dem dritten Bauabschnitt des Ausbaus der Nordhäuser Straße im zweiten Halbjahr 2027 vorgesehen.
Mit besten Grüßen aus dem Erfurter Rathaus
[Name entfernt, Anmerkung der Redaktion]
Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Bereich Oberbürgermeister
Landeshauptstadt Erfurt
Stadtverwaltung
Interview mit der Interessengemeinschaft „Hundewiese Geraaue e.V.“
Mehr Infos:
Interessengemeinschaft Hundewiese Geraaue e.V.
Interviews:
Caro Könneker
Donata Hille
Redaktion:
Alicia Schmitz
Caro Könneker
Donata Hille
Martin Lehmann
Produktion:
Martin Lehmann
Musik:
Musca - „Dub Boatz“ / CC BY 4.0
Blue Dot Sessions - „Basic Curiosity“ / CC BY-NC 4.0
Blue Dot Sessions - „Khorasan“ / CC BY-NC 4.0
Blue Dot Sessions - „Ile on Grentham“ / CC BY-NC 4.0
L4R1N1LY4 - „Good Space“ / CC BY-NC 4.0
Redaktioneller Hinweis:
Bei der gesamten Produktion - von erster Recherche über Aufnahmen und Postproduktion bis zum Upload - ist von uns auf den Einsatz von „KI“-Tools verzichtet worden - soweit wir das beurteilen und beeinflussen konnten.
Übrigens:
Wenn auch du Lust hast, selbst Radio oder Beiträge wie diesen zu machen, komm doch bei Radio F.R.E.I. vorbei und mach mit! Entweder bei einem unserer offenen Radioabenden oder zum Radioforum!
27.02.